IE6 und IE7 für Linux/MacOS

Da ich ja häufig mit CSS zu tun habe, komme ich leider nicht drumrum, die von mir gestylten Seiten in allen möglichen Browsern zu testen. Da bekanntlich der Internet Explorer am meisten Ärger macht, ist hier mit besonders kritischem Auge hinzuschauen, denn noch immer ist der IE der am meisten genutzte Webbrowser der Welt.

Das Problem: Unter Mac OS X gibt es leider keinen Internet Explorer, d.h. zumindest keinen mit Version größer-gleich 6. Vor langer Zeit wurde der Browser sogar mal für Apple’s Betriebssystem entwickelt, allerdings nur bis Version 5.2, die spätestens seit Windows XP wirklich keinen mehr interessiert.

Also habe ich mich mal etwas schlau gemacht, welche Möglichkeiten es gibt, die eigene Webseite auch für den Internet Explorer zu optimieren.
Dabei bin ich auf mehrere Varianten gestoßen, die ich hier aufzählen möchte und am Ende auch eine Empfehlung geben möchte:

Die Optionen sind:

  • Emulation mit Crossover/Wine
  • ie4osx mit Dawine (Nur Mac OS X)
  • Virtualisierung (Mit VMWare Fusion)

Also, los geht’s:

  1. Emulation mit Crossover/Wine
    Vielleicht kennt der ein- oder andere das Programm Crossover. Dabei handelt es sich um eine kommerziele, erweiterte Version vom Open-Source Tool Wine (“Wine is not an Emulator”) der Firma Codeweavers, die für bestimmte Windows-Programme angepasst wurde. Damit lässt sich zum Beispiel Software wie Photoshop 7, der Media Player 6 und 9 oder eben der Internet Explorer 6 installieren. Das Ganze läuft auch relativ smooth durch. Der IE wird aus einer Liste ausgewählt und den Rest macht das Tool. Dabei werden alle benötigten Librarys und Fonts von alleine heruntergeladen und installiert.


    Nachteil des Ganzen:

    • Crossover kostet.
    • Die Webseite wird nicht immer so dargestellt, wie sie auch in einem nativen Windows-System angezeigt werden würde.
    • Es ist lediglich der Internet Explorer in der Version 6 verfügbar. Andere gibt es nicht.

    Theoretisch könnte man auch wine benutzen und alles selber erledigen. Das ist allerdings mit etwas Kopfschmerzen und Fleißarbeit verbunden.

  2. ie4osx mit Dawine (Nur Mac OS X)
    Für Mac-User gibt es das Tool ie4osx, das alle Internet Explorer Versionen bis inklusive Teil 7 installiert. Der Installer kümmert sich dabei um alles. Benötigt wird X11 und Darwine. Letzteres ist einfach die Mac-Version von Wine.

    Ich hatte bei der Installation allerdings das Problem, dass immer nur der ie6 installiert wurde. Alle anderen wurden mir verwehrt. Da ich nach längerem Googeln* keine Lösung fand, bin ich wohl der einzige oder einfach zu blöd, um das Ding korrekt zu installieren.
    Das was jedoch funktionierte war prima. Allerdings hat diese Lösung ähnliche Nachteile wie die Crossover-Variante, denn der auf wine basierende IE stellt auch hier Webseiten nicht ganz so dar, wie man sie vielleicht in einem nativen Windows-System sehen würde. Besonders Probleme in der Typografie durch fehlende oder falsche Fonts sind hier Stolpersteine. Zu breite Typo führt oft zu Darstellungsfehlern bezüglich Float-Layouts.

  3. Der (fast-) Königsweg: Virtualisierung mit VMWare Fusion
    VMWare wird dem meisten ein Begriff sein. Das Programm stellt eine Virtuelle Maschine, in der man beliebige Betriebssysteme installieren kann. Das Ganze kann man sich wie eine Zwiebel vorstellen: Ganz Außen sitzt das “normale” Betriebssystem. Im Innern beherbegt das OS nun mehrere andere Betriebssysteme über die VM. Theoretisch so viele, wie man möchte wenn man genug Speicherplatz hat. Hier liegt übrigens auch der Hund begraben: Die Virtualisierung eines kompletten Betriebssystems schluckt 1. viel Speicherplatz auf der Festplatte und 2. sehr viel Performance, sprich RAM und CPU-Power. Auf meinem halbwegs aktuellen Rechner läuft das Ganze noch einigermaßen ordentlich. Sehr gespannt bin ich darauf, was mein Macbook dazu sagt. Ich kann es mir aber schon denken, schließlich habe ich das Tool schonmal auf dem Macbook Pro von Norbert gesehen. Seine Aussage (Ungefähr aus dem Kopf) “Das liegt nur an der VM, dass der grad so lahm ist. Normalerweise rennt der richtig” sagt eigentlich schon alles.

    Wichtig bei der Inbetriebnahme: Man benötigt eine CD mit Windows, die man in der VM installiert. Der Rest ist kinderkacke: Selbst “VMWare Tools” wird von selbst auf dem Gastsystem eingerichtet.

    Ansonsten ist die Variante mit VMWare Fusion eine sehr ordentliche und vor allem saubere Lösung, denn 1. werden alle Webseiten auch so dargestellt, wie man es erwarten würde und 2. besitzt der Fusion-Abkömmling den Unity-Modus, der es ermöglich, einzelne Fenster aus der virtuellen Maschine “herauszuziehen” und nativ in das Vater-OS einzubetten – Sehr geil für z.B. Photoshop CS3/4 unter Linux!

    Der Preis von 36 Euro für die Studenten-Version lässt mich da ehrlich gesagt eher kalt.

    Tip: Wer im Gastsystem den IE6 und IE7 parallel installieren möchte, lässt die Finger von den ganzen Patches/Tools/Anleitungen, die im Web kursieren und updatet seinen IE einfach auf Version 7. Anschließend die Standalone-Version des IE6 runterladen und fertig ;-)

Inzwischen kann ich den ganzen Hype um das Thema Virtualisierung ein wenig nachvollziehen.

———————————————————

* if (!student.solveProblem(problem, google)){
// Deprecated
// tryOtherSolutions(problem);
surrender();
}

5 thoughts on “IE6 und IE7 für Linux/MacOS

  1. oh, sehr nice.
    Werd das bei Gelegenheit mal ausprobieren (Morgen) ;-)

    Schade, dass VirtualBox keine 3D-Beschleunigung unterstützt. Würde gern mal ein paar Windows-Spiele unter Linux/Mac sehen (Crysis? lol).

    Wie performant ist das Ganze eigentlich bei dir?
    Kannst du es dir leisten, die VM ständig im Hintergrund laufen zu lassen?
    Ich finde es schon nervig, immer die VM starten zu müssen, nur weil ich jetzt mal eben schnell ein Windoof-Programm brauch..

  2. Oli H. says:

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die 3D-Beschleunigung wirklich schon ausgereift ist. Performant ist sie sicher auch nicht.

    Es zieht eigentlich nicht viel CPU Leistung, knappert aber ganz schön an meinen 2GB Arbeitsspeicher.
    Ich brauch es aber auch nicht oft.

    Wenn man es immer schnell starten will, gibt es da sicher Möglichkeiten: suspend z.B.. Habe ich aber noch nicht ausprobiert.

  3. Oli H. says:

    Ach ja: für Virtualisierung ist eine Multicore CPU sicher optimal. Sowas besitze ich leider nicht :-(

  4. Hm, also mit meinem Dualcore hat sich die “Pausetaste” in VMWare Fusion bewährt. Ich vermute mal, dass das dem Gastsystem ein Suspend vorgaukelt.

    Ansonsten brauch ich das Teil ja auch nicht wirklich oft. Aber mit VM+Photoshop+Inkscape+Diverse andere Fenster wirds echt knackig was die Performance angeht.

    Warum zum Teufel hast du eigentlich keine Multicore CPU? lol
    Wusste gar net, dass es sowas noch gibt :)

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